Der Autor als Filmfigur

Projekt:

Der Autor als Filmfigur

Leitung: Prof. Dr. Torsten Hoffmann (Universität Stuttgart) und PD Doreen Wohleben (Universität Heidelberg)

Autorenauftritte haben in den letzten Jahrzehnten nicht nur im Literaturbetrieb an Bedeutung gewonnen, sondern auch im Kino-, Fernseh- und Internetfilm. Das gilt für fiktionale Schriftstellerfiguren, insbesondere aber für reale Autorinnen und Autoren. Sogenannte ‚Biopics‘ inszenieren das Leben von Goethe, Schiller oder Lou Andreas-Salomé; Dokumentationen präsentieren Zeitgenossen wie Friederike Mayröcker, Felicitas Hoppe oder Peter Handke zunehmend auch in abendfüllenden Kinofilmen; Webseiten von Verlagen oder Literaturwettbewerben enthalten Kurzfilme, die als Porträts angelegt sind oder unter der Regie der Auftretenden stehen (so im Fall von Rainald Goetz, der 2012 per Video auf die Kritiken zu seinem Roman ‚Johann Holtrop‘ reagiert hat). Das Spektrum reicht von faktualen bis zu fiktionalen Filmen (mit allen denkbaren Mischformen), der ästhetische Anspruch variiert erheblich. Festzuhalten ist: Literaturgeschichte und Poetik werden nicht mehr nur in Büchern, sondern auch auf Leinwänden und Bildschirmen geschrieben. Das Bild, das sich eine breitere Öffentlichkeit ebenso wie die professionell mit Literatur Beschäftigten vom literarischen Schreiben und dessen Protagonisten und Protagonistinnen machen, ist ganz erheblich von Filmen geprägt. Stets mitzubedenken ist dabei die intermediale Komponente, also die Akustik (in Bezug auch auf die Mündlichkeit) und Visualität des Filmmediums im Unterschied zur Schriftlichkeit des Gegenstandes (insofern die literarischen Werke der Filmfiguren die zentrale Produktions- und Rezeptionsmotivation dieser Filme darstellen). Eine Kontextualisierung bietet sich auch in Bezug auf Musiker- und Künstlerfilme an.

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Tagung in Carl Friedrich von Siemens-Stiftung im Schloss Nymphenburg, München, vom 3. bis 5. April 2019

Organisation:
Prof. Dr. Torsten Hoffmann, Stuttgart
PD Dr. Doren Wohlleben, Heidelberg

Die Tagung widmet sich dem Phänomen im Blick auf alle filmischen Genres und auf literarische Epochen von der Klassik bis zur Gegenwartsliteratur. Sie fragt u.a. nach der Inszenierung von Autorschaft (wobei zwischen Fremd- und Selbstinszenierung unterschieden werden kann), nach der Gewichtung von biographischen und werkbezogenen Informationen, nach der Präsentation von Schreibszenen, nach narrativen und interviewbasierten Darstellungsverfahren, nach den Möglichkeiten filmischer Werkinterpretationen sowie nach der historischen Entwicklung des Schriftstellerfilms. Aufgrund der beschränkten Forschungslage wird der Fokus dabei zunächst vornehmlich auf Autorfiguren aus der deutschsprachigen Literaturgeschichte gerichtet.

Die Tagung wird gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung sowie der Carl Friedrich von Siemens Stiftung.