Schwerpunktprojekt

Gego

Prof. Dr. Kerstin Thomas in Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart (Dr. Ulrike Groos) und dem Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS), Universität Stuttgart (Prof. Dr. Thomas Ertl, Dipl.-Inf. Hermann Pflüger)

Die in Hamburg geborene Künstlerin Gertrud Goldschmidt, genannt Gego, hat zwischen 1932 und 1938 an der Technischen Hochschule Stuttgart Architektur studiert. Nach der Reichsprogromnacht suchte sie mithilfe ihres Professors Paul Bonatz eine Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Im August 1938 reichte Gego ihre Abschlussarbeit ein, erhielt im Schnellverfahren am 24. November 1938 ihr Diplom und emigrierte 1939 nach Venezuela. Dort begann sie in den 1950er Jahren ihre Arbeit als Künstlerin. Bis zu ihrem Tod schuf Gego neben Zeichnungen und Grafiken filigrane, netzartige Rauminstallationen, die einen großen Einfluss auf die Künstler der 1960er Jahre hatten, welche sich in der Suche nach der Überwindung des zweidimensionalen Bildraums von der Dreidimensionalität in Gegos Werken inspirieren ließen. Aufgrund ihrer Emigration war Gego im kunsthistorischen Diskurs zu europäischen Avantgarden jedoch nur am Rande vertreten. Ihre Arbeiten, die physische und soziale Dimensionen zusammenbringen, finden jedoch in der aktuellen Kunstproduktion großes Echo, so etwa in den spinnennetzförmigen Rauminstallationen von Tomás Saraceno.

Das Kunstmuseum Stuttgart hat im Jahr 2016 einen erheblichen Bestand an Zeichnungen, Grafiken und Objekten (90 Zeichnungen und Grafiken, 10 Objekte) aus dem Nachlass Gegos für die Dauer von zunächst zehn Jahren erhalten. Das Projekt möchte diesen Bestand erfassen, erforschen und digital erschließen. Gegos Raumbegriff ist niemals ein rein formaler, sondern er berücksichtigt neben seinen physischen auch seine sozialen Dimensionen. Zudem spiegeln die Linien, Flaächen, Volumen und ausgedehnten Netzstrukturen eine Auseinandersetzung mit dynamisch-kinetischen Strukturen wider, wie sie in Diskussionen um Kunst und Städtebau im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt standen. Dieser Zusammenhang zwischen Zeichnung, Objekt und Raum soll durch 3-D-Visualisierung nachvollziehbar gemacht werden.

Bisherige Aktivitäten:

  1. wissenschaftliche Erfassung des Bestands im Kunstmuseum Stuttgart
  2. 3-D- Visualisierung einiger Zeichnungen aus dem Teilnachlass durch das VIS (Dipl.-Inf. Hermann Pflüger)

Geplant:

  1. Weitere Erforschung des Bestands, Workshop und Ausstellung.
  2. Antrag auf Drittmittelfinanzierung läuft. Bei Bewilligung:
    1. Umfassendere Erforschung und Erfassung des Bestands, wissenschaftliche Veranstaltungen, Workshops.

Kontakt:

Prof. Dr. Kerstin Thomas
Universität Stuttgart
Institut für Kunstgeschichte
Keplerstr. 17
70174 Stuttgart
T.: 0711-685-83918
F: 0711-685-83556
Kerstin.thomas@ikg.uni-stuttgart.de